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Beschwerden vermutlich durch EBV-Reaktivierung

Long-Covid aufgrund von Epstein-Barr?

Epstein-Barr-Virus EBV, ein Herpesvirus, das infektiöse Mononukleose und Burkitt-Lymphom verursacht. 3D-Darstellung

Wird eine Epstein-Barr-Virus-Infektion reaktiviert, kann es zu Beschwerden kommen, die auch von Long-Covid-Patienten berichtet werden. Besteht ein Zusammenhang?

Ein relevanter Anteil an Patienten leidet auch lange nach der Infektion mit SARS-CoV-2 an Symptomen wie Fatigue, Benommenheit und Ausschlägen, ohne dass es bislang eine gute Erklärung dafür gibt. Einer aktuellen Studie aus den USA zufolge könnte möglicherweise eine Reaktivierung schlummernder Epstein-Barr-Viren (EBV) dahinterstecken.

An der retrospektiven Untersuchung nahmen insgesamt 185 Personen teil, die eine Infektion mit SARS-CoV-2 durchgemacht hatten. 56 davon (30,3 %) gaben an, an Symptomen des Long-Covid-Syndroms zu leiden, darunter vier, deren Infektion asymptomatisch verlaufen war. 30 zufällig ausgewählte Teilnehmer mit und 20 ohne Long-Covid-Symptome wurden auf eine EBV-Reaktivierung hin untersucht. Bei allen diesen Patienten lag der positive Coronatest bereits mehr als 90 Tage zurück.

Reaktivierung während oder kurz nach Infektion

Bei 66,7 % der von Long-Covid Betroffenen liess sich eine Reaktivierung des Virus nachweisen, aber nur bei 10 % der übrigen Studienteilnehmer. Bei zwei der Patienten mit nachgewiesener EBV-Reaktivierung war die SARS-CoV-2-Infektion zunächst asymptomatisch verlaufen. In einer kleineren Gruppe von insgesamt 18 Personen, deren SARS-CoV-2-Infektion weniger als 90 Tage zurücklag, ergaben sich ähnliche Raten, was nach Ansicht der Autoren darauf schliessen lässt, dass die Reaktivierung des Epstein-Barr-Virus bereits während oder kurz nach der Infektion mit dem Coronavirus stattfindet.

Die Autoren folgern aus den Resultaten, das sich Long-Covid-Symptome bei vielen durch eine EBV-Reaktivierung erklären lassen könnten, zumal die Symptomatik erhebliche Überlappungen aufweist. Falls sich diese Annahme bewahrheiten sollte, könnte dies neue Ansätze für Forschung und Behandlung eröffnen.

Gold JE et al. Pathogens 2021; 10: 763; doi: 10.3390/pathogens10060763

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