Medical Tribune
23. Sept. 2020Gefahr aus dem Schrebergarten

Blutige Kolitis vom Zucchinischnitzel

Zucchini und andere als Nahrungsmittel verwendete Kürbisgewächse wie Melonen oder Gurken enthalten in den heutigen Zuchtformen normalerweise keine Cucurbitacine. Die Befruchtung durch Bienen aus benachbarten Zierkürbissen und ansteigende Temperaturen können aber dazu führen, dass die Gifte gebildet werden.

Zucchini auf einem Holztisch
istock.com/MelanieMaier

Bei Anzeichen einer akuten Lebensmittelvergiftung sollte die Differenzialdiagnose einer Cucurbitacinvergiftung berücksichtigt werden, empfehlen Dr. Carlo Jung und Kollegen von der Klinik für Gastroenterologie und Gastroonkologie der Universitätsmedizin Göttingen. Hinweisend auf diese Vergiftungsursache ist der bittere Geschmack einer Mahlzeit mit Zucchini oder anderen Kürbisgewächsen. Das war auch in einem von den Autoren berichteten Fall so.

Eine 66-jährige Rentnerin stellte sich mit Tachykardie, Hypotonie und Somnolenz sowie Exsikkose, Übelkeit, Erbrechen und Hämatochezie in der Notaufnahme vor. Am Vortag hatte sie gegen 13 Uhr ein Zucchinischnitzel gegessen und dabei einen bitteren Geschmack bemerkt. Etwa zwei Stunden später setzten Übelkeit und Erbrechen ein, kurze Zeit darauf Unterbauchkrämpfe und blutige Diarrhöen im Stundentakt. Das Labor zeigte eine Leukozytose und Zeichen einer Exsikkose. Im Ultraschall war die Sigmoidwand verdickt, was den Verdacht auf eine Kolitis weckte. Die Stuhlkultur war unauffällig, Fieber fehlte.

Es erfolgte eine symptomatische Therapie mit intravenöser Volumensubstitution und Metoclopramid gegen die Übelkeit. Wegen einer vermuteten Sepsis wurde ausserdem eine antibiotische Therapie mit Ceftriaxon und Metronidazol eingeleitet. Nach dem zweiten Tag im Spital nahmen die blutigen Durchfälle ab und man begann mit dem Kostaufbau.Am dritten Tag konnte die Patientin wieder nach Hause gehen.

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