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Mit spröden Knochen aufs Wackelbrett

Muskelkraft, Koordination, Balance und Ausdauer – damit ist es bei Osteoporose-Patienten oft nicht allzu gut bestellt. Nun entwickelten Experten eigens ein Training, das auf diese Defizite abzielt. Die Auswirkungen einer solchen knochen­schwund­spezi­fischen Phy­sio­therapie sollten auch «Couch-Potatos» überzeugen: Die Knochendichte nimmt zu, der Knochenmetabolismus verbessert sich, Schmerzen lassen nach und auch zur Sturzprävention eignet sich das Programm, wie eine Zweijahresstudie zeigte.
An der prospektiven Untersuchung nahmen 42 Patienten mit manifester Osteoporose teil. Alle erhielten eine adäquate Supplementation mit Kalzium und Vitamin D sowie eine Bisphosphonat-Therapie, berichtete Professor Dr. Uwe Lange, Rheumatologie und Klinische Immunologie der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim. Das standardisierte, einmal wöchentliche Gruppentraining basierte auf drei Säulen:

  • 20 Minuten Aufwärm- und Dehnübungen
  • 15 Minuten Lauftraining
  • 30 Minuten Balance-Training mit statischen und dynamischen Übungen

Dies absolvierten 25 Studienteilnehmer, im Schnitt 68 Jahre alt. 15 von ihnen hatten bereits eine osteoporotische Fraktur hinter sich. Für die altersvergleichbare Kontrollgruppe war kein Training vorgesehen, neun der 17 Teilnehmer berichteten über eine zurückliegende Osteoporose-Fraktur.
Die Forscher beurteilten fünf Outcome-Parameter, jeweils zu Studienbeginn, nach zwölf Monaten und zwei Jahren. Diese waren:

  • Knochendichte (BMD/T-Score ges., rechter Schenkelhals und Lendenwirbelkörper 1–4)
  • Koordination bzw. Balance (Kippelbrett, Zirkel)
  • Kraft und Ausdauer (Einbeinstand)
  • Knochenstoffwechsel-Marker (Osteocalcin, CrossLaps)
  • Schmerzempfindung (visuelle Analogskala, VAS, 1–100)

Am Ende des zweijährigen Studienzeitraums zeigte sich bei Teilnehmern der Sportgruppe, dass die Knochendichte am rechten Schenkelhals im Vergleich zum Ausgangswert signifikant zugenommen hatte.

Schmerzen wurden signifikant reduziert

Im Bereich der Lendenwirbel fand sich eine tendenzielle Zunahme der BMD, so Prof. Lange. Demgegenüber stellte man in der Kontrollgruppe eine signifikante Abnahme der BMD am Schenkelhals fest. Kraft und Ausdauer verbesserten sich im Physiotherapie-Kollektiv signifikant, dies traf auf beide Messzeitpunkte nach zwölf Monaten und zwei Jahren zu. Auch in puncto Koordination und Balance profitierten die sportlich Engagierten deutlich.
Im Gegensatz dazu zeigten sich hinsichtlich Kraft, Ausdauer, Koordination und Balance in der Kontrollgruppe nach zwei Jahren keine signifikanten Verbesserungen, fasste Prof. Lange zusammen. Ebenso konnte nur in der Interventionsgruppe eine signifikante Schmerzreduktion nachgewiesen werden.
Und auch auf molekularer Ebene spiegelten sich die positiven Effekte der sportlichen Betätigung. So zeigten die Knochenstoffwechselmarker lediglich unter der speziellen Physiotherapie eine Verschiebung in Richtung Knochenaufbau: Serum-Osteocalcin stieg signifikant an und der Abbaumarker CrossLaps fiel ab, verdeutlichte der Referent.
Dokumentiert wurden während des Studienzeitraums auch die Stürze der Teilnehmer. In der Interventionsgruppe traten zwei Stürze auf, im Kontrollkollektiv hingegen 28 – allesamt ohne Frakturen. «Wir sollten unsere Patienten wirklich motivieren, sich einmal pro Woche sportlich zu betätigen. Ein spezifisches Training ist nachweislich osteoprotektiv», appellierte der Experte.

13. Rheumatologie-Update-Seminar

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